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Champagner -Lexikon Champagner ist ein internationales
Getränk. Größten Anteil daran haben natürlich die Champagner - Häuser, die über
70 Prozent des gesamten Absatzes tragen. Firmen wie Moet & Chandon, Pommery oder Veuve
Clicquot kennt man auf der ganzen Welt. Mit ihrer geballten Marktmacht spiegeln diese
Großen der Branche die Trends und Vorlieben der vielen Champagner - Trinker wieder.
Und
dokumentieren den großen Erfolg, den Champagner überall auf der Welt hat.
Die meisten Häuser entstanden im 19. Jahrhundert, sehr häufig mit tatkräftiger
deutscher Unterstützung. Heidsieck, Mumm, Deutz oder Bollinger lassen den Ursprung
erkennen.. Das heute größte aller Häuser ist gleichzeitig eines der ältesten: Moet
& Chandon, gegründet 1743. Moet verkaufte im letzten Jahr weltweit 22 Millionen
Flaschen.
Champagner-Technik
Man erkannte man bereits in 1960 ein Verfahren, mit dem man selbst die benötigte Hefe
für die zweite Gärung herstellen konnte. Jetzt ist man erneut bei den Hefen angelangt.
Man möchte die Hefezellen in einer Membran aus Bakterien (eine Algenform)
"einschließen". Anstatt der normalen Hefe befinden sich nun Hefekügelchen in
der Flasche. Vorteil: Sie bewegen sich beim Rüttelvorgang wesentlich schneller zum
Flaschenhals hin. Das Problem: Die Membran muß porös sein, damit der Wein mit den
Hefezellen vollständig in Berührung kommt, gleichzeitig muß sie die Hefezellen kompakt
in ihrem "Gefängnis" halten.
100.000 Flaschen
sind vor zwei Jahren zur Probe mit diesen neuen Hefekügelchen abgefüllt worden, und die
bis jetzt vorliegenden Ergebnisse sind zufriedenstellend.
Im Moment ist man
gerade dabei, den Einfluß der Anzahl und Größe der Champagnerbläschen auf die
Qualität des Getränkes wissenschaftlich zu erforschen. Bisher hatte man (lediglich)
subjektiv festgestellt, daß in hochwertigeren Champagnern eine größere Anzahl kleinerer
Bläschen vorkommt.
Champagner-Gastronomie
Champagner als Essensbegleiter ist das große Thema in der Champagne und natürlich
auch für die (deutsche) Gastronomie. Champagner ist nicht nur ein vorzüglicher Aperitif,
er kann auch ein idealer Begleiter zu einem kompletten Menü sein. Viele Gäste können
sich zwar durchaus vorstellen, daß der eine Champagner etwas anders schmeckt als der
andere, würden aber oftmals nicht auf den Gedanken kommen, daß zwischen den Champagner -
Stilen der einzelnen Häuser Geschmacks - Welten liegen können, das gerade auch und
insbesondere bei der Standard-Cuvée, die den Stil des Hauses am besten widerspiegelt. Hat
man seinen Gästen allerdings schon einen Pol Roger Chardonnay 1988 und einen Taittinger
Brut Reserve zum Kosten kredenzt, wird man den Unterschied kaum noch erklären
müssen.
So unterschiedlich
wie diese beiden Vertreter, so sind die Möglichkeiten der Kombination mit Speisen nahezu
unbegrenzt. Das Champagner-Angebot des Restaurants muß natürlich einen gewissen
Mindestumfang haben - nur ein Hersteller, auch wenn von diesem alle Qualitäten vorhanden
sein sollten, genügt nicht.
Die Frage ist nur:
Welcher Champagner paßt zu welchem Essen? Eine generelle Aussage: Man sollte stets auf
Ausgewogenheit achten - je feiner die Speise, desto feiner das Gericht, je deftiger das
Gericht, desto kräftiger die gereichte Sorte.
Der Brut
ohne Jahrgang ist die Standard Cuvée jedes Hauses. Aus fünfzig oder mehr
Grundweinen zusammengestellt (verschiedene Rebsorten, Lagen, Jahrgänge). Ein frischer
Brut mit hohem Chardonnay Anteil entwickelt ein fruchtig-blumiges Aroma (Zitrusfrüchte,
Mandeln, Lindenblüten), paßt zu hellem Geflügel, feinem Fisch, ebenso zu Austern und
deren leicht salzigem und säuerlichem Geschmack. Ein Brut ohne Jahrgang mit betontem
Pinot Noir-Anteil und Aromen von Butter, Biskuit, Trüffeln bis hin zu Veilchen und roten
Früchten kann etwa zu Kalbsfilet mit frischen Pilzen munden, ein Brut mit hohem Pinot
Meunier Anteil und kräftigen Aromen von roten Früchten, Rosen, Trüffeln oder auch
Pfeffer empfiehlt sich sogar zur gefüllten Gans.
Ein Jahrgangs-Brut
ist, wie der Name schon sagt, aus nur einem Jahrgang und braucht, weil er keine
Reserveweine enthält, mehr Zeit zur Reife auf der Hefe. Er ist das Ergebnis einer
vorzüglichen Weinernte und bringt neben der Kontinuität der Marke vor allem das Weinjahr
zum Ausdruck. Im Schnitt der letzten Jahrzehnte gab es alle drei Jahre einen Millésimé.
Selbiger mit hohem Chardonnay-Anteil oder als Blanc de Blancs mit feinen Aromen von
frischen Früchten, Akazien, Grapefruit oder Minze ist Begleiter eines Rissotto mit
weißen Trüffeln, einer Gänseleber mit geröstetem Brot, kann aber auch zum Dessert mit
Vanilleeis und Sandgebäck munden. Ein Pinot Noir - dominierter Millésimé mit komplexer
Aromavielfalt von Kakao, Vanille, Trockenfrüchten, kandierten Zitrusfiüchten, aber auch
Nuß-und Karamelaromen, paßt gut zu Osso Buco oder Kalbsbries. Hat der
Jahrgangschampagner einen hohen Pinot Meunier-Anteil und Aromen von Backpflaumen,
gegrilltem Brot, Walnuß, Vanille sowie blumige Aromen von Akazien und Rosen, passen
Poulardenbrust oder Lamm.
Für die Prestige-
oder Spezial-Cuvées, ob mit oder ohne Jahrgang, mit den besten Weinen des Hauses
kombiniert, gilt das oben Gesagte analog. Die Weine lagern in der Regel viel länger,
meist zwischen sechs und acht Jahren, auf der Flasche und sind dadurch weich und weinig.
Eine weitere
Ausnahmeerscheinung ist der Rosé-Champagner mit einer reichen Aromafülle. Für
seine Herstellung gibt es zwei Verfahren: Man läßt ihn solange auf der Maische, bis ihm
die Farbpigmente der roten Schalen eine zartrosa Färbung verliehen haben. Zweite, aber
sehr seltene Möglichkeit: Man verschneidet rote und weiße Stillweine, wobei die
Weißweine natürlich wiederum aus roten Trauben gewonnen sein können, bis der
gewünschte Farbton erreicht ist. Einen Rosé gibt es mit und ohne Jahrgang und als
Prestige-Cuvée und hat häufig Aromen von Waldbeeren, aber auch von Weizen- und
Roggenbrot.
Vorstehende
Empfehlungen spiegeln Grundregeln wider und haben sich im Laufe der Zeit bewährt.
Kreative Gastronomen sollten aber den Mut haben, individuell zu probieren und zu
kombinieren.
Champagner-Philosophie
Die Herstellung der Champagnerweine ist natürlich eng mit den Bodenverhältnissen und dem
Klima verknüpft. Champagner wächst auf einer Kreideschicht. Die Rebwurzeln dringen durch
die Humus- und Lehmschicht tief in die Kreide ein. Letztere sorgt für Speicherung von
genügend Feuchtigkeit, läßt überschüssiges Wasser aber ablaufen. Ein weiterer Vorteil
von Kreide: Sie speichert (tagsüber) Wärme, die sie nachts abgeben kann. Das ist in der
Champagne auch dringend notwendig, denn mit einer Durchschnittstemperatur von 10 bis 11
Grad liegt das Gebiet an der Grenze dessen, was für die Reife der Trauben und den Weinbau
schlechthin notwendig ist. Im Frühjahr kann es gefährliche Fröste geben, denen man mit
Heizöfen in den Anlagen Herr werden will.
Bei der Ernte, die
in der Regel Mitte Ende September beginnt, wird nur von Hand gelesen. Unverzüglich wird
das Traubengut schonend ausgepreßt, danach beginnt die Vergärung des Mostes zu Wein,
die, je nach Temperatur, zwischen einer und drei Wochen dauert. Viele Häuser lassen der
ersten Gärung die Milchsäuregärung folgen. Sie wandelt die aggressive Apfelsäure in
Milchsäure um und verringert den Säuregehalt im Wein um zwei bis drei Gramm pro Liter.
In der Champagne ein durchaus lohnender Effekt, denn die jungen Weine weisen aufgrund der
Klimaverhältnisse oftmals einen seht hohen Säuregehalt auf Es gibt allerdings auch eine
Fraktion in der Champagne, die die Milchsäuregärung ablehnt, weil dadurch Frische
verloren geht.
Im Frühjahr
kommt die große Stunde: Die Cuvée, jene Mischung aus bis zu über 50 Grundweinen,
wird in komplizierter Kleinarbeit hergestellt. Sie wird in Flaschen abgefüllt, unter
Zugabe von Zucker und Hefe wird auf der Flasche die zweite Gärung ausgelöst. Die
entstehende Kohlensäure kann nicht entweichen und verbindet sich mit den Wein in der
Flasche.
Die Dauer der
zweiten Gärung ist wiederum temperaturabhängig und dauert zwischen sechs und acht
Wochen, in besonders kalten Kellern auch länger Eine verlangsamte Gärung soll dem
Champagner mehr Geschmackstoff und eine besonders feine Perlage verleihen. Die Keller von
Po Roger sind ein gutes Beispiel hierfür.
In der
anschließenden Zeit der Lagerung auf der Flasche gibt die verbleibende Hefe
Geschmacksstoffe ab. Die Standard-Cuvée muß mindesten 15 Monate lagern, manche Häuser
verlängern aber diese Lagerdauer.
Bevor der
Champagner auf den Markt kommen kann, muß das Hefelager entfernt werden. Das geschieht
mittels dem "Rütteln". Das an der Flaschenwand angesiedelte Depot wir durch
gleichmäßiges Drehen übe einen längeren Zeitraum hinweg zum Flaschenhals hin bewegt.
Das geschieht mittels Rüttelpulten, in denen die Flaschen allmählich immer steiler
gestellt werden. Bei Pol Roger und einigen anderen feinen Champagner Häusern erledigen
diese Arbeit sogenannte Rumeure, die immerhin einige zehntausend Flaschen am Tag
bewegen. Übrigens ist Pol Roger das einzige Champagner Haus welches die LO per Hand
schüttelt. Seit Anfang der achtziger Jahre gibt es die "Giropalettes", deren
Körbe 504 Flaschen fassen und die zu jeder Tages und Nachtzeit computergesteuert
rütteln. Vor allem die großen Häuser haben sich aufgrund der gewaltige Mengen an
Flaschen die Giropalette angeschafft und lassen höchstens noch ihre Spezialitäten von
Hand rütteln.
Nachdem sich das
Depot unter dem Korken gesammelt hat (heute wird für die Lagerzeit meist ein Kronkorken
verwandt), wird der obere Teil des Flaschenhalses in eine Gefrier-Lösung getaucht, beim
Entkorken fliegt der kleine Eisblock mitsamt der Hefe aus der Flasche. Das geschieht in
der Regel mechanisch. Die kleine Menge Champagners, die dabei verloren geht, wird mit der
Versanddosage, liqueur d'expedition, ersetzt. Das ist in aller Regel ein Gemisch aus
Zucker und Wein, und die Konzentration des Zuckers bestimmt, welche Geschmacksrichtung der
Champagner haben wird. Für den Brut beispielsweise sind bis zu 15 Gramm Restzuckergehalt
pro Liter erlaubt. Nun wird der Champagner verkorkt und kommt noch für einige wenige Tage
auf Lager, bevor er in den Verkauf geht.
Champagner-
Lexikon
Champagner
wird ausschließlich mit drei Traubensorten in einem festgelegten Gebiet der alten Provinz
Champagne nach bestimmten Vorschriften, die im französischen Gesetz genauestens
festgelegt sind, angebaut, gelesen und hergestellt:
Ausschließlich
drei Rebsorten sind erlaubt: Pinot Noir und Pinot Meunier (blaue Trauben), Chardonnay
(weiße Trauben).
Champagner ist vor
allem ein Weißwein, obwohl er vorwiegend aus blauen Trauben gewonnen wird. Champagner -
Durchschnitt = 3/4 blaue Trauben, 1/4 weiße Trauben.
Das Weinbaugebiet
ist durch ein Gesetz aus dem Jahre 1927 auf ca. 34.000 ha begrenzt. Davon sind ca. 30.700
ha ertragsfähig (3% der Weinbaufläche Frankreichs). Ein wichtiges Kriterium für die
Begrenzung des Weinbaugebiets war die Bodenbeschaffenheit. Die Belemnit-Kreide aus der
Sekundärzeit und die Mikroelemente sind einmalig.
Gesetzlich
festgelegt wird jedes Jahr kurz vor der Weinlese die Traubenmenge pro Hektar, die
zur Herstellung von Champagner verwendet werden darf: 1996 hatten höchstens 10.400 kg
Trauben pro Hektar das Recht auf die AOC Bezeichnungen "Champagner" und
"Coteäux Champenois" (Stillwein aus der Champagne).
Der Gesamtverband
legt genauso jedes Jahr vor der Weinlese ein Minimum für den potentiellen Alkoholgehalt
im Most fest. 1996 mußten die Trauben einen potentiellen Alkoholgehalt von mindestens 9
Volumenprozent aufweisen. Der Most, der dieses Minimum nicht erreicht, verliert das Recht
auf die Bezeichnung "Champagner" (Qualität vor Quantität)
Champagner wird, im
Gegensatz zu den anderen großen Weinen, durch Verschnitt verschiedener Gewächse und
Jahrgänge hergestellt. Der Grund dafür ist das nördliche Klima des Weinbaugebiets, das
zur Folge hat, daß im gleichen Jahr die Trauben einer Lage besser sein können als die
einer anderen Lage und daß die Trauben eines Jahres besser sein können als die eines
anderen Jahres. Horizontaler Verschnitt der ca. 320 Lagen, davon sind 17 "grands
crus" zu 100%, 44 "premier crus" zu 90 bis 99 %, die anderen zu 80 bis 89 %
bewertet. Vertikaler Verschnitt mit Reserveweinen verschiedener Jahrgänge.
Der von den Winzern
erzielte Traubenpreis hängt von der oben genannten Klassifizierung der Lage ab. Für
einen zu 80 % bewerteten "cru" erhält der Winzer 80 % des Traubenpreises.
Beim Pressen der
Trauben ist wiederum ein Höchstertrag von ~02 Liter Most (ergibt 100 Liter Wein) aus ~60
kg Trauben gesetzlich erlaubt. Der zusätzlich gepreßte Most kommt zur
Alkohol-Destillation (Qualität vor Quantität)
Champagner wird
durch 2 Gärungen erzielt. Die zweite Gärung muß in der Flasche erfolgen. Die vor dem
Abziehen auf Flaschen der Cuvée zugesetzte "Fülldosage" - in altem Wein
aufgelöster Rohrzucker und Hefe - verwandelt sich langsam durch eine zweite Gärung in
der Flasche in Alkohol und Kohlensäure.
Die Flaschen
müssen gesetzlich mindestens 15 Monate - bzw. drei Jahre für Jahrgangs-Champagner - in
den Kellereien lagern (in der Tat sind es durchschnittlich 3 bzw. 5 Jahre). Gerade dieses
langsame Altern in der Flasche ist einer der wichtigsten Faktoren der Feinheit des
Champagner. Vor dem Versand werden die Flaschen gerüttelt und der im Flaschenhals
angesammelte Satz wird durch das Degorgieren entfernt.
Nach dem Entfernen
des Satzes ist Champagner in der Regel also kein Wein, der sich nach Verlassen der
Champagner Kellerei durch lange Lagerung verbessert.
Die
Champagner-Weine sowie die Stillweine "Coteaux Champenois" dürfen nur in
Flaschen - also nicht in Fässern oder Tanks - das Weinbaugebiet der Champagne verlassen.
Somit ist die Verarbeitung von Champagner Grundweinen außerhalb der Champagne unmöglich.
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